Mariahilfkirche im Dorf

Das schlichte Gebäude in der Dorfmitte, fast versteckt zwischen den zahlreichen Hotels und Gastbetrieben, ist ein typischer Bau des frühen Barockstiles. Auf dem Türsturz ist die Jahrzahl 1648 (das Ende des Dreißigjährigen Krieges, den man gottlob bei uns nicht zu heftig gespürt hat) angebracht. Die Kirche wurde am 6. September 1657 vom Brixner Weihbischof Jesse Perckhofer zu Ehren Mariens von der immerwährenden Hilfe und der hl. Katharina eingeweiht. Ein Altar und eine Glocke sollen aus der Burgruine von Salegg bei Seis stammen. Ein schöner Buckelquaderstein, vermutlich aus der Burg, steckt in der Mauerecke neben dem Wasserhydranten. Ein kleiner Friedhof liegt rings um die Kirche, an deren Außenseite ein gemalter Kreuzweg mit den 14 Stationen die Beter zum frommen Betrachten des Weges Jesu nach Golgotha einlädt. Der Turm ist noch in gotischen Formen erbaut, eine Erinnerung an das Mittelalter sind die Wasserspeier mit Tierfratzen.

Der schwungvolle Hochaltar wurde erst um 1700 angefertigt. Er zeigt zwischen einem Säulenpaar zwei Engel, die ein Ölbild Mariens mit dem Kinde in einem kostbaren Goldrahmen halten. In der Mitte darüber deuten die Heiliggeisttaube und Gottvater mit Weltkugel die heiligste Dreieinigkeit an: das Jesuskind, der HI. Geist und Gottvater übereinander. Zwei Engelsputti halten Girlanden in den Händen. Unter dem Bild Mariahilf, das eine Kopie des berühmten gleichnamigen Bildes von Lukas Cranach im St.-Jakobs-Dom von Innsbruck ist, hat wohl der große Verehrer des heiligsten Herzens Jesu, der Dekan Alois Bamhackl die beiden Reliefdarstellungen des Herzens Jesu und Herz Maria anbringen lassen: ein Hinweis auf die um 1700 bereits in Blüte stehende Verehrung des Herzens unseres Erlösers, die später dann um 1796 in das feierliche Gelöbnis der Landstände an das Göttliche Herz mündete, als die Feinde Tirols an den Grenzen der Heimat standen. Zu Seiten des Altares stehen die vorzüglichen Schnitzfiguren von Johannes dem Täufer und von Johannes dem Evangelisten (mit dem Attribut des vergifteten Kelches, aus dem sich eine Schlange wand). Die Skulpturen stammen vermutlich aus der Werkstatt von Josef Konrad Wiser (vgl. in Tagusens die Hochaltarfiguren von 1752 sowie im Kreuzgang von Brixen Christus an der Geiße1sälule). Die vielstrahligen Sterne an den seitlichen Eingangstüren erinnern an Maria, den Meeres- und Morgenstern (wie die Anrufungen in der Lauretanischen Litanei lauten). Der Seitenaltar ist der hl. Katharina von Alexandrien geweiht. Er besitzt noch die ernsten Formen des frühen Barockstiles mit den schwarzgoldenen Holzteilen. Das Altarbild bezieht sich auf die Legende von der mystischen Vermäh1ung der Heiligen mit dem Jesukinde. Ein Engel hält derweil die Marterwerkzeuge Rad und Schwert: Zur Strafe wurde die hochgebildete Heilige in der Philosophenstadt Alexandria in Ägypten nach einer großen Diskussion mit den Professoren auf ein Rad geflochten; Engel kamen und zerhackten das Marterinstrument, sch1ießlich wurde die standhafte Jungfrau enthauptet, ihr Leib wurde von Engeln unter dem Berg Moses' auf dem Sinai begraben (Katharinenkloster). Sie gehört zusammen mit Margaretha und Barbara zu den heiligen drei Madln. Die Seitenfiguren aus Holz stellen den Feuerwehrpatron St. Florian (mit Fahne und Löscheimer) sowie den Gesundheitspatron St. Sebastian (mit den Pfeilen, die auf die Pest hinweisen) dar. Im Aufsatz ist eine kleine Kopie des Verkündigungsbildes von Florenz angebracht. Im Sockel des Altares hat sich der Stifter von 1669 samt langer Inschrift abbilden und verewigen lassen: ein geistlicher Herr im Chorrock mit schöner Rosenkranzschnur "Bruedermeister Joannes Maniger" (Mantinger?) mit seinem Familienwappen.

Bemerkenswert ist auch der Kanzeldeckel, auf dem die Figur des "Seelenbegleiters" St. Michael den Eintretenden mit der Trompete des Jüngsten Gerichtes empfängt, indes eine Hand zu Füßen des Erzengels die Seelenwaage hält und das Auge Gottes darüber wacht. Auf der Fahne steht "Höret des Heren Wordt". An der Ostwand hängt eine frühbarocke Kopie des ergreifenden Kreuzes im expressionistischen frühgotischen Stil, das heute über dem Bischofsaltar in der Bozner Pfarrkirche vom Gewölbe hängt. An der Westwand hängt ein Bild der Heiligen Familie, wie sie das Jesukind in die Wiege bettet. Im Schiff stehen sich zwei Statuetten gegenüber: Joachim und Anna, die Eltern Mariens, der Schutzherrin dieser Kirche.
Die vierzehn Kreuzwegstationen sind eine gute Arbeit des 18. Jahrhunderts und wegen der an den Bildrahmen angebrachten Leidenswerkzeuge (arma Christi) besonders zu erwähnen.
Eine Sense in kraftvoller Bauernhand auf der Vorderseite der nördlichen Bankreihe, die dem Schutz Mariens empfohlen wird, erinnert an die lange Zeit der Heuernte auf der Seiser Alm, an die gefahrvollen Unwetter und widrige Witterung (um 1800).
Seit 1993 befindet sich die 1971 erbaute einmalige Formentelli-Orgel auf der Empore.
Die Kirche wurde in den Jahren 1975 bis 1995 restauriert (Hubert Mayr).
Diese Kirche zu Ehren Mariens von der immerwährenden Hilfe ("Maria Hilfe der Christen") ist eine der frühen dieses Titels im Lande.
Zehn Jahre später wurde die Kirche Maria Hilf im Zinggen bei Brixen an der neuen Brennerstrasse geweiht.
Das gleiche Patrozinium besitzen die Pfarreien von Kardaun, Pfelders und die neue Pfarrkirche von Steinhaus/Ahrntal, die Kirchen vom Brennerpaß, Weißenbach im Sarntal, Freienbühl ob Afers, das Moarkirchl in Außermühlwald, Falleming in Auferpflersch, das Dorferkirchl in Eggen, Zwischenwasser, Niederflans bei Mauls, das Gißbachstöckl in St. Georgen, die Friedhofskapellen von Mareit, Wiesen und St. Andrä, Bad Sieß am Ritten, Valiertegg bei Reschen, Oberfennberg und noch weitere dreißig Bauernkapellen im Lande (Fest 24. Mai).

Pfarrei Hl. Kreuz, Oswald von Wolkensteinplatz 8, 39040 Seis am Schlern (BZ), Tel.: +39 0471 706470, Fax: +39 0471 708550 E-Mail
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