Seis: Die neue Pfarrkirche Hl.Kreuz

Die neue Pfarrkirche von Seis: Hl. Kreuz

Der aufstrebende Fremdenverkehr, der in Seis auf über hundert Jahre zurückblicken kann (Eröffnung der neuen Fahrstraße von Waidbruck nach Kastelruth und Seis am 19. September 1887), ließ das bis dahin bäuerlich geprägte Dorf rasch wachsen. Deshalb ergab sich auch bald die Notwendigkeit einer größeren Kirche im Dorf. Um die Mitte der dreißiger Jahre haben die Architekten A. Fingerle und Marius Amonn Pläne für einen Kirchenbau erstellt. Im Jahre 1937 wurde mit dem Bau begonnen, der unter dem Eindruck des Jubiläumsjahres 1933 (= zweitausend Jahre Erlösung) dem heiligen Kreuz geweiht sein sollte.

Das fertige Gotteshaus, erbaut während der Seelsorgetätigkeit der Kuraten August Mussner (1932-1949), Franz Elsler (1949-1961) und Paul Zambelli (1961-1971), wurde 1950 geweiht. Es gleicht in zweierlei Hinsicht einem Schiff und will dies dem Besucher auch vermitteln: Zunächst erscheint das Kirchenschiff wirklich wie ein kieloben schwimmendes Holzschiff mit Planken, sodann kommt die Anspielung auf die rettende Arche Noahs bei der Sintflut (allein Christi Kirche bietet Heil und Rettung auf Erden). Die betonte Gliederung der Wände mit den hölzernen Gurten, die das Gewölbe tragen, erinnern an die strengen Formen alter Basiliken. Dies wird auch durch den stark eingezogenen Triumphbogen in Ovalform hervorgehoben. Er führt über in die Apsis mit der Kreuzigungsgruppe von Rudolf Moroder und dem Tabernakel aus Bronze von Eraldo Fozzer. Von Vinzenz Mussner aus St. Ulrich stammen die Holzskulpturen - die Unbefleckte Empfängnis (Immaculata) mit dem Herz Mariä und der hl. Josef mit Säge, die ihn als Patron der Arbeiter ausweist. Die lebensgroßen monochrom gefassten Figuren stehen in Nischen, die ähn1ich geschwungen sind wie der elegante Triumphbogen, unter dem heute der Volksaltar steht.

1962 erhielt der Turm auf Initiative des damaligen Kuraten Paul Zambelli fünf neue Glocken, die in der Gießerei Grassmayr in Innsbruck gegossen und am 18. November 1962 von Weihbischof Heinrich Forer geweiht wurden.
Sehr gediegen und der Kirche in ihrer Farbigkeit angepasst sind die neuen Glasfenster von Edith Rier, geschaffen 1995. Dargestellt werden in vier großen rundbogigen Fenstern die Bergpredigt (Stiftung Mani Wetsch, Liebl-Seiserhof), das Sakrament der Taufe (Stiftung der Raiffeisenkasse Kastelruth, Filiale Seis), das Sakrament des Altares, Eucharistie = Danksagung der christlichen Pfarrgemeinde (Stiftung der Gemeinde Kastelruth in der Amtszeit des Bürgermeisters Vinzenz Karbon), das Sakrament der Ehe (Spende der Pfarrgemeinde).

Die vier kleinen rundbogigen Fenster in der Apsis zu Seiten der Kreuzigungsgruppe stellen auf der Ostseite in einem Fensterpaar das Thema Mariahilf dar (Stifter Ferdinand Goller, Seis), diesen gegenüber das heilige Kreuz und die Auferstehung (Geschenk der Künstlerin Edith Rier). Die vier kleinen Rundfenster erinnern an das Sakrament der Stärkung = Firmung (Spende des Pfarr- und Männerchores Seis) an das Sakrament der Versöhnung und Buße = Beichte, an die Krankensalbung und an die Priesterweihe.
Bei der letzten Restaurierung unter Pfarrer Anton Pichler wurde auf den Wechsel der Farben von Porphyrhalbsäulen und Holzträgern sowie Altarraum besonderes Augenmerk gerichtet. Ein schönes Baudetail ist der Pfeiler mit der Kanzel aus Eichenholz.
Eine große Bereicherung neben den Kirchenfenstern stellt der neu gestaltete Ort der Taufe dar: Der Schnalser Künstler Martin Rainer (in Brixen wohnhaft) hat den Taufbrunnen aus Kupferblech getrieben. Bei der Spendung des Taufsakramentes wird der Deckel gehoben und bildet dann ein kreisförmiges Meditations-Bildwerk, das den Gekreuzigten darstellt, von dem aus (Wasser-) Ströme des Lebens ausgehen, von denen sich die Christen (versinnbildet durch die Fischlein) nähren können. Die dezente Farbgestaltung der kleinen Taufnische hat der Brunecker Künstler Albert Mellauner geschaffen. Als Gegenstück zum Taufort wurde eine Schmerzensmutter (Pietà) auf der Südseite der Eingangshalle aufgestellt. Die farbiggefaßte Zirbelholzskulptur (Mitte 17. Jahrhundert) ist die barocke Kopie eines gotischen Originals.

Die von Vinzenz Mussner aus Gröden geschaffenen Kreuzwegstationen wurden 1961 im Gedenken an Ewald und Klara Andersen (USA) von deren Kindern gestiftet. 1993 wurde die neue, von Johann Pirchner aus Steinach/Tirol erbaute zweimanualige Orgel mit 18 Registern eingeweiht. Sie fügt sich harmonisch in den Kirchenraum und hat einen hervorragenden Klang. Als Organisator des Orgelbaus machte sich der Chorleiter und Organist Toni Schgaguler verdient.

Pfarrei Hl. Kreuz, Oswald von Wolkensteinplatz 8, 39040 Seis am Schlern (BZ), Tel.: +39 0471 706470, Fax: +39 0471 708550 E-Mail
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