Meditation zum Sonntagsevangelium
Evangelium zum 23. Sonntag im Jahreskreis - 7. September 2008
Evangelium: Mt 18,15-20
Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.
Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden.
Mt 18,15-16
"… und die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben, werden immer und ewig wie die Sterne leuchten." Dn 12,3 Dieser Satz passt zum heutigen Evangelium und motivierte – wer weiß wie viele - dazu, diese exakten Anweisungen umzusetzen.
Aber ich kann heute doch nicht meinen, jemand in seine Lebensführung reinreden zu können! Anonymität, Individualismus, die unterschied- lichsten Lebensentwürfe bis hin zu der Vielfalt christlicher Gemeinde- und Lebensformen – das sind andere Ausgangssituationen als zur Zeit, als Matthäus sein Evangelium geschrieben hat. Bleibt aber nicht dennoch, wenn ein gemeinsames Werk vorankommen soll und gemeinsame Ziele angestrebt werden, nichts anderes übrig?
Moderne Betriebsführung kommt um Leitbildarbeit, Profilierung und den Aufbau der Coporate Identitiy aller Angestellten nicht mehr herum.
Das kann z. B. so aussehen, dass mit Flyern o.ä. in der Kantine über Monate hinweg über das soziale Engagement – sponsering von Projekten – informiert wird… Kann sich eine Gemeinde, die sich sicher nicht wie ein profit- orientiertes Unternehmen verstehen will, hier etwas "abgucken"?
Ja sicher, wenn sie auf ihr WIR schaut, wo Abgrenzungen und Ausgrenzungen geschehen, weil sie zu den Gesetzen jeder Sozietät gehören, wenn sie größtmögliche Klarheit über die Wirkung nach Außen und über die Unterschiedlichkeit der Auffassungen und Standpunkte im Innern anstrebt.
Der heutige Text folgt dem Gleichnis vom verlorenen Schaf. Gottes Sorge, dass keine/r verloren gehe, wird Menschen übertragen, vielleicht auch nur einem – wie Ezechiel – als "Wächter".
Wie im Paulustext an die Römer wird Schuld neu aufgefasst als Versagen beim Aufbau des Reiches Gottes und in diesem "Raum", in dieser Atmosphäre, wo die Güte Gottes erfahrbar sein soll, können die Schuldzusammenhänge erkannt und die richtigen Wege sichtbar werden.
Im Hören auf Gottes Wort und im Ringen um die gemeinsame Berufung können sich Himmel und Erde berühren: Einigkeit über die Realisierung des göttlichen Willens, Einigkeit über die dafür notwendigen zwischenmenschlichen Hilfen und die nächsten gemeinsamen Schritte.
Die geschuldete Liebe wurde und wird eingelöst.